Kommentar zum „Ruhetag“ an Ostern

von Julia Scharmann

… oder wie man maximale Verwirrung stiftet.

Ein Kommentar zum Artikel „Was die „Ruhezeit“ bedeutet“ aus der Print-Ausgabe des Handelsblatts vom 24. März 2021, Nr. 58

von Ann-Katrin Hardenberg, Managing Partner

Mit ihren Beschlüssen zum sogenannten „Ruhetag“ am Gründonnerstag haben die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten heilloses Chaos verursacht.
Es sind mehr und ganz andere Fragen offen. Was ist denn bitte ein Ruhetag?

Unternehmen, Verbände, Mitarbeitende, … alle sind verunsichert, was zu tun ist und was in der Kürze der Zeit umorganisiert und geplant werden muss.

Ist es jetzt ein arbeitsfreier Tag oder nur ein Tag der Ausgangssperre?
Können Termine mit Kunden und Lieferanten gehalten und wahrgenommen werden?
Wird gefertigt, wird geliefert?
Wer kommt für die Lohnfortzahlung und die Feiertagszuschläge auf?

Das Handelsblatt hat die Komplexität des Themas „Ruhetag“ in seinem heutigen Artikel deutlich aufgezeigt und was alles dahintersteckt beleuchtet.
Nach der Lektüre ist klar: nichts ist klar.

Weder unsere Frau Bundeskanzlerin noch die Ministerpräsidenten/innen der Länder scheinen eine Vorstellung zu haben, welche Belastungen solch unausgegorene Beschlüsse für Unternehmen und Organisationen bringen.

Glauben die Verantwortlichen ernsthaft, dass sie nach einem Sitzungsmarathon nachts um halb drei noch gute Entscheidungen treffen können?

Jedem Unternehmer ist klar, dass über solche weitreichenden Entscheidungen nochmals eine Nacht geschlafen werden sollte, bevor sie veröffentlicht werden.

In zahlreichen Unternehmen wird nun mit Hochdruck daran gearbeitet, diese Beschlüsse überhaupt erstmal zu verstehen – ganz zu schweigen von einer so kurzfristigen Umsetzung.
Ein unnötiger aber riesiger Schaden, weil dieses Land gutes Krisenmanagement verlernt hat.

Ein regulärer Feiertag kostet die Wirtschaft bereits in „normalen“ Zeiten 7 Milliarden Euro. Was haben wir wohl jetzt zu erwarten? Regelungen müssen durchdacht und Szenarien analysiert werden.

Dies ist gerade zu Krisenzeiten wichtiger denn je, um Vertrauen und Stabilität zu vermitteln. Jede neue Regelung ist sowieso ein Kraftakt für jedes Unternehmen. Wenn neue Regelungen allerdings nicht durchdacht sind und mehr Fragen offengeblieben als geklärt worden sind, dann bringt das Organisationen und Mitarbeitende in Unruhe.

Die Organisationen sind bereits am Limit! Gebraucht hätten wir klare Kommunikation, eindeutige Regelungen, Ruhe und Vertrauen, mitten in der anlaufenden 3. Lockdown-Welle. Für die Wirtschaft und für die Bevölkerung.

Jetzt haben wir endgültig eine Management-Krise auf höchster Ebene on top.

Und auch das heutige vermutliche Zurückrudern macht nichts besser, sondern die Verwirrung aller Wahrscheinlichkeit nach noch größer. Aber immerhin hatten sie nun zwei Nächte Zeit, um darüber zu schlafen…

Die Online-Ausgabe des Artikels finden Sie hier.

Julia Scharmann
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