Was ist ein Betriebsmodell?

Ein Betriebsmodell, auch Operating Model oder Governance-Modell genannt, beschreibt die Strukturen, Rollen, Verantwortlichkeiten, Prozesse und Entscheidungswege, die den nachhaltigen Betrieb einer digitalen Lösung sicherstellen. Es legt fest, wer Entscheidungen trifft, wer Anwender unterstützt, wie Anforderungen priorisiert werden und wie die Weiterentwicklung der Lösung gesteuert wird.

Warum braucht ein digitales System ein Betriebsmodell?

Ein neues System ist eingeführt. Das Projektteam hat geliefert. Die Schulungen sind abgeschlossen. Der Go-live ist geschafft. Doch genau an diesem Punkt beginnt die eigentliche Arbeit.

Egal ob ERP- oder HR-Systeme, CRM-Lösung, Kollaborationstool oder KI-Anwendung: Der langfristige Erfolg entscheidet sich nicht bei der Einführung. Er entscheidet sich im Betrieb: Wer trifft Entscheidungen? Wer priorisiert neue Anforderungen? Wer unterstützt Anwender? Wer stellt sicher, dass das System mit den Anforderungen des mittelständischen Unternehmens mitwächst?

Wenn diese Fragen unbeantwortet bleiben, entstehen früher oder später Reibungen. Dann zeigt sich, ob aus einer Einführung eines Systems ein nachhaltiger Erfolg wird. Oder ob das neue System langsam an Akzeptanz verliert, Entscheidungen liegenbleiben und niemand genau weiß, wer eigentlich verantwortlich ist. Genau hiersetzt das Betriebsmodell an. Typische Fragen, die ein Betriebsmodellbeantwortet, sind: Wer ist nach dem Go-live für das System verantwortlich? Wie werden neue Anforderungen priorisiert? Welche Supportwege gelten für Anwender? Wer entscheidet über Änderungen, Berechtigungen und Weiterentwicklungen? Und anhand welcher Kennzahlen wird überprüft, ob die digitale Lösung den erwarteten Nutzen bringt?

 

Ein System braucht mehr als eine technische Lösung

Ein digitales Tool funktioniert nicht dauerhaft allein durch seine technische Verfügbarkeit. Es braucht klare Regeln, Verantwortlichkeiten und Prozesse für den laufenden Betrieb. Dazu gehören der Umgang mit neuen Anforderungen an das System, die Priorisierung von Weiterentwicklungen, die Unterstützung der Anwender, die Einhaltung von Datenschutzanforderungen und die regelmäßige Überprüfung, ob das System den gewünschten Nutzen liefert.

Wenn diese Themen erst nach dem Go-live diskutiert werden, entstehen Reibungsverluste. Entscheidungen verzögern sich. Verantwortlichkeiten werden zwischen Fachbereich, IT und Dienstleistern weitergereicht. Das System läuft zwar, entwickelt sich aber nicht weiter.

Die typischen Knoten im Alltag

In Projekten zur Einführung von ERP-, HR-, CRM- und KI-Lösungen zeigen sich häufig ähnliche Probleme: Anwender wissen nicht, an wen sie sich bei Fragen wenden können. Fachbereiche und IT haben unterschiedliche Erwartungen an Verantwortlichkeiten. Anforderungen sammeln sich über Monate an, ohne priorisiert zu werden. Gleichzeitig fehlen Kennzahlen, um den Erfolg der Lösung zu bewerten. Entscheidungen werden vertagt, weil keine klare Governance etabliert wurde. Das Problem ist selten die Software. Das Problem sind fehlende Strukturen für den Betrieb.

Wie sieht eine Governance für digitale Systeme aus? Fünf Themen, die jedes Betriebsmodell beantworten muss

Ein tragfähiges Betriebsmodell schafft Klarheit in fünf zentralen Bereichen:

  1. Governance: Die Governance legt fest, wer welche Entscheidungentreffen darf. Dazu gehören Entscheidungsgremien, Freigabeprozesse, fachliche Verantwortlichkeiten und Regeln für den Umgang mit Zielkonflikten.
  2. Betrieb: Der Betrieb stellt sicher, dass die digitale Lösung technisch stabil, sicher und regelkonform genutzt werden kann. Dazu gehören Berechtigungen, Datenschutz, Dokumentation sowie die Zusammenarbeit zwischen Fachbereich, IT und externen Dienstleistern.
  3. Support: Das Supportmodell definiert Ansprechpartner ,Supportstufen, Eskalationswege und Reaktionszeiten. Anwender wissen dadurch, an wen sie sich mit fachlichen oder technischen Fragen wenden können.
  4. Weiterentwicklung: Die Weiterentwicklung regelt, wie neue Anforderungen aufgenommen, bewertet, priorisiert, freigegeben und umgesetzt werden. Dadurch bleibt die Lösung an den Bedarf des Unternehmens angepasst.
  5. Erfolgsmessung: Die Erfolgsmessung zeigt, ob die digitale Lösung den erwarteten Nutzen erzielt. Geeignete Kennzahlen sind beispielsweise Nutzungsquote, Datenqualität, Bearbeitungszeit, Prozessdurchlaufzeit, Anzahl der Supportfälle und Anwenderzufriedenheit.

 

Welche Rollen braucht ein digitales Betriebsmodell?

Die Einführung eines digitalen Systems verändert nicht nur Prozesse. Sie schafft auch neue Rollen. Fachverantwortliche, Systemverantwortliche, Key User, Supportverantwortliche oder Governance-Gremien übernehmen unterschiedliche Aufgaben. Entscheidend ist nicht die Bezeichnung der Rolle. Entscheidend ist, dass jede Verantwortung eindeutig zugeordnet ist. Denn Verantwortlichkeiten lassen sich nicht digitalisieren. Sie müssen bewusst definiert werden. Die Zuständigkeiten können beispielsweise mithilfe einer RACI-Matrix dokumentiert werden. Sie zeigt, wer für eine Aufgabe verantwortlich ist, wer die Entscheidung trägt, wer einbezogen und wer informiert wird.

Deep Dive herunterladen: Typische Rollen in einem Betriebsmodell für digitale Lösungen

 

Ein gutes Betriebsmodell macht Komplexität beherrschbar

Viele mittelständische Unternehmen investieren viel Zeit in die Auswahl einer Lösung und nur wenig Zeit in die Frage, wie diese dauerhaft betrieben werden soll. Dabei entscheidet genau dieser Punkt darüber, ob die Investition langfristig Wirkung entfaltet. Ein durchdachtes Betriebsmodell schafft klare Entscheidungen, stabile Abläufe und eine strukturierte Weiterentwicklung. Es sorgt dafür, dass digitale Lösungen nicht nur eingeführt, sondern erfolgreich genutzt werden. Das Ergebnis: Das System funktioniert nicht nur heute. Es trägt auch morgen.

Wer digitale Lösungen nachhaltig verankern möchte, sollte deshalb nicht erst nachdem Go-live über Rollen, Verantwortlichkeiten und Prozesse sprechen, sondern so früh wie möglich. Idealerweise dann, wenn die ersten Details zum Projekt festgelegt werden, in der Projektvorphase. Genau das ist der richtige Zeitpunkt, um damit zu beginnen, da die definierten Rollen bereits im Projekt ihre Verantwortungen übernehmen können.

Wie entwickelt man ein Betriebsmodell für eine digitale Lösung?

Ein Betriebsmodell für eine digitale Lösung entsteht, indem Ziele, Beteiligte, Rollen, Entscheidungswege, Supportprozesse, Weiterentwicklung und Kennzahlen systematisch definiert werden. In der Praxis haben sich sechs Schritte bewährt:

  1. Ziele und Anwendungsbereich festlegen: Es wird definiert, für welche Lösung, Prozesse, Gesellschaften und Nutzergruppen das Betriebsmodell gelten soll.
  2. Beteiligte und Schnittstellen identifizieren: Fachbereiche, IT, Management, Datenschutz, Informationssicherheit und externe Dienstleister werden einbezogen.
  3. Rollen und Verantwortlichkeiten definieren: Für Betrieb, Support, Entscheidungen, Datenqualität, Berechtigungen und Weiterentwicklung werden eindeutige Verantwortlichkeiten festgelegt.
  4. Entscheidungs- und Supportprozesse gestalten: Freigaben, Eskalationen, Supportstufen und Reaktionszeiten werden verbindlich beschrieben.
  5. Priorisierung und Weiterentwicklung regeln: Das Unternehmen legt fest, wie Anforderungen bewertet, priorisiert, finanziert und umgesetzt werden.
  6. Kennzahlen und Überprüfungstermine vereinbaren: Messgrößen und regelmäßige Reviews zeigen, ob das Betriebsmodell funktioniert und angepasst werden muss.

 

Deep Dive: Betriebsmodell für digitale Lösungen

THE MAK’ED TEAM entwickelt gemeinsam mit mittelständischen Unternehmen Betriebsmodelle für ERP-, CRM-, HR-, Kollaborations- und KI-Lösungen. Der Deep Dive „Betriebsmodell für digitale Lösungen“ zeigt, welche Rollen, Entscheidungswege, Supportstrukturen, Eskalationswege und Prozesse für Priorisierung und Weiterentwicklung sich in der Praxis bewährt haben und wie Unternehmen diese bereits in der Projektvorbereitung verankern können.

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FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Thema

Was ist ein Betriebsmodell?

Ein Betriebsmodell, auch Operating Model oder Governance-Modell genannt, beschreibt die Strukturen, Rollen, Verantwortlichkeiten, Prozesse und Entscheidungswege, die den nachhaltigen Betrieb einer digitalen Lösung sicherstellen. Es legt fest, wer Entscheidungen trifft, wer Anwender unterstützt, wie Anforderungen priorisiert werden und wie die Weiterentwicklung der Lösung gesteuert wird.

Warum ist ein Betriebsmodell wichtig?

Ein Betriebsmodell stellt sicher, dass digitale Lösungen nach der Einführung dauerhaft genutzt, weiterentwickelt und gesteuert werden können.

Wann sollte ein Betriebsmodell entwickelt werden?

Idealerweise bereits während der Projektvorbereitung und spätestens vor dem Go-live.

Wer ist für ein Betriebsmodell verantwortlich?

Typischerweise arbeiten Fachbereich, IT, Management und Systemverantwortliche gemeinsam an der Definition des Betriebsmodells.

Welche Bestandteile gehören zu einem Betriebsmodell?

  • Governance
  • Betrieb
  • Support
  • Weiterentwicklung
  • Erfolgsmessung

Welche Rollen gehören zu einem Betriebsmodell?

  • Product Owner
  • Fachverantwortliche
  • Systemverantwortliche
  • Key User
  • Support-Team
  • Governance Board
  • IT-Betrieb
  • Externe Dienstleister
AUTHOR
Ann-Katrin Hardenberg, THE MAK'ED TEAM
Ann-Katrin Hardenberg
Managing Director