Lange Zeit war die herrschende Meinung, dass Überlegungen zur Governance nur etwas „für die großen Unternehmen“ seien. Sicherlich hat der bis dato wenig geläufige Begriff der Governance einen Teil zu dieser Einschätzung beigetragen, da viele Elemente einer Governance selbstverständlich in mittelständischen Unternehmen vorhanden sind. Die Governance stellt mit ihrer Struktur in der Herangehensweise das Betriebssystem für mittelständische Familienunternehmen dar.

Zielsetzung der Governance

Die Zielsetzung der Governance kann als zentraler Ausgangspunkt der notwendigen Überlegungen und der daraus folgenden Festlegungen herangezogen werden. Denn: Governance soll

  1. die Eigentümerstrategie in Führung und Entscheidungen verankern,
  2. die Entscheidungsarchitektur ordnen und handlungsfähig halten,
  3. den Ergebnis-, Liquiditäts- und Risikohaushalt sichern und
  4. die Nachfolge- und Konfliktfähigkeit herstellen.

Aus der Zielsetzung ist gut ersichtlich, dass Governance zum einen auf das Familienunternehmen zielt (= Corporate Governance) und zum anderen den oder die Eigentümer des Unternehmens und damit die Unternehmerfamilie adressiert (=Family Governance).

Parameter der Governance

Die Governance ist kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck. Ihr Umfang muss zur Situation und zur DNA des Unternehmens und der Familie passen, um Wirksamkeit im Sinne der Zielsetzung entfalten zu können. Sie muss die relevanten Kriterien in der jeweiligen Situation herausarbeiten und Vorbereitungen treffen, um auf zukünftige Entwicklungen im Unternehmen und in der Familie planvoll reagieren zu können. Grundlage ist der sogenannte Eigentümerwille, den der oder die Eigentümer des Unternehmens in Bezug auf Strategie, Risiko und ethisch-moralische Rahmenbedingungen formulieren.

Die Parameter der Governance kommen aus dem Unternehmen und aus dem Kreis der Inhaber. Zu den Parametern gehören mit Blick auf die Corporate Governance beispielsweise:

  • Größe des Unternehmens oder der -gruppe
  • Unternehmens- und Organisationsstruktur
  • Risikograd des Geschäftsmodells
  • Internationalität
  • Struktur der Finanzierung
  • Externes Management
  • Beirat oder Aufsichtsrat

Zu den Parametern gehören bezüglich der Family Governance beispielsweise:

  • Anzahl Gesellschafter
  • Anzahl Gesellschafterfamilien
  • Heterogenität
  • Generationsstufen
  • Nachfolgehorizont
  • Konfliktpotenziale
  • Bedeutung des Unternehmens für Gesellschafter

Die vorgenannten Parameter bilden zusammen einen gewissen Komplexitätsgrad, zu dem auch die Wechselwirkungen zwischen der Konstellation im Unternehmen und in der Inhaberfamilie gehören können.

Der Komplexitätsgrad als Rahmen der Governance-Struktur

In Abhängigkeit der Komplexitätsstufen auf der Ebene des Unternehmens sowie auf der Ebene der Unternehmerfamilie bildet sich eine erste Einschätzung heraus.

Diese erste Einschätzung bringt Orientierung über die eigene Situation im Verhältnis Unternehmen zu Familie und umgekehrt. Sie fordert heraus, sich mit der Frage zu beschäftigen, was man selbst als komplex betrachtet. Die Anzahl der relevanten Parameter ist die Grundlage für die Frage nach dem Umfang eines Governance-Systems – von einem minimalen Setting mit Konzentration auf wenige relevante Kernthemen bis hin zu einem integrierten Kodex und professioneller Gremienstruktur. Oder anders betrachtet: Ein Unternehmen in der ersten Generation in der Geschäftsführung und einer steuerlich getriebenen Übertragung von Anteilen auf das Kind des Gründers ist mit anderen Kernthemen konfrontiert als ein Unternehmen in der vierten Generation mit drei Gesellschafterfamilien und einem familienexternen Management.

Die erste Einschätzung setzt aber auch die ersten Schwerpunkte und zeigt auf, welche Themenkomplexe möglicherweise priorisiert behandelt werden sollten oder gar müssen. Hier können sich Regelungslücken in den bisherigen Festlegungen zeigen oder Veränderungen in Unternehmen und / oder Familie machen es erforderlich, bisherige Entscheidungen zu verändern.

FAZIT:

In der Governance werden die Themen gebündelt, die die Steuerung und Führung von Familienunternehmen, aber auch die Entscheidungsfindung in der Unternehmerfamilie ermöglichen. Die systematische Auseinandersetzung mit diesen Themen sorgt für die erforderliche Handlungsfähigkeit und schafft Nachfolgefähigkeit.

DENNOCH: Dieser Prozess zur Sicherstellung von Handlungsfähigkeit und Nachfolgefähigkeit bedarf einer intensiven und vertrauensvollen Meinungsbildung auf der Ebene der Eigentümer und der potenziellen Nachfolger, ob in operativer Funktion oder als Gesellschafter. Governance gibt, wenn sie klug aufgesetzt wird, eine Orientierung für alle Beteiligten und schafft ein verbindliches Regelwerk. Die Eigentümer gestalten den Inhalt.

THE MAK'ED TEAM entwickelt mit mittelständischen Unternehmen und ihren Gesellschaftern die passenden Vorgehensweisen zu Regelungen für die aktive Steuerung, Führung und Nachfolge. Wir wissen, was für Familienunternehmen und Unternehmerfamilien auf dem Spiel steht.

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AUTOR*IN
Martin Auer, THE MAK'ED TEAM
Martin Auer
Geschäftsführer