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von Ann-Katrin Hardenberg

Zeitalter der Digitalisierung – doch wo bleibt sie in Museen?

Als freiberufliche „Macherin“, bin ich – wie auch meine Kollegen – beruflich sehr viel unterwegs. Wenn ich in den verschiedenen Städten bin, nehme ich mir immer gerne zwischen den verschiedenen Geschäftsterminen Zeit, um die lokalen Museen und ihre Ausstellungen zu besuchen.

Wie es in meiner Generation und auch in meiner Berufsgruppe inzwischen üblich ist, habe ich immer elektronische Geräte dabei, u.a. einen kleinen kompakten Laptop. Digitalisierung ist mein tägliches Arbeitsthema sowie Teil meiner Lebensweise und Leidenschaft – die sogenannte digitale Revolution hat inzwischen die digitalen Devices Teil des Lebens, des Lernens und der Arbeit gemacht.
In letzter Zeit wollte ich bereits mehrfach Museen bzw. ihre Ausstellungen zwischen zwei Geschäftsterminen besuchen – teilweise habe ich aber mein Ticket wieder zurückgegeben. Digitale Geräte wie ein Laptop dürfen, aufgrund der Größe, nicht in Museen mitgenommen werden, sondern müssen eingeschlossen werden – doch dies ohne Übernahme der Haftung! WLAN wird Besuchern für das Suchen nach Zusatzinformationen zur Ausstellungen nicht zur Verfügung gestellt, digitale Medien werden (fast) gar nicht in den Ausstellungen als Lehrmethode bzw. Wissenstransfer eingebaut.

Durch diese Erfahrungen und meine Verärgerung entgangener Besuche von Ausstellungen, stelle ich mir folgende Fragen:

  • Warum passen sich Museen nicht der veränderten Lebensweisen von heute an (beispielsweise bzgl. Gepäckverstauung, Computermitnahme in die Ausstellungsräumlichkeiten)?
  • Warum werden WLAN oder das Benutzen verschiedener digitalen Medien nicht als Begleitung in den Ausstellungen aufgenommen?
  • Werden tatsächlich nur Senioren mit den Ausstellungen angesprochen, die, wie vor 20 Jahren, noch ohne digitale Geräte in Ausstellungen gehen und ihre Besuche langfristig als Ausflug planen und nicht zwischen Geschäftsterminen einschieben?
  • Hat die Vorgehensweise von Museen tatsächlich nur „versicherungstechnische“ Gründe oder ist sie einfach eine herkömmliche Vorgehensweise seit Jahrzehnten, die man noch nicht auf den Kopf gestellt hat?

Ich möchte mit meinem Schreiben nicht die bisherige Vorgehensweise oder Arbeit der Museen anklagen. Doch ich möchte darauf aufmerksam machen, dass sich die Handhabung hinsichtlich digitaler Geräte und Medien in den letzten Jahren stark geändert hat. Auch Museen sollten ihre jahrlangen Handhabungen dringend auf den Prüfstand stellen und an heutige Lebensweisen anpassen. Museen sollten nicht mehr nur als Ziel für Sonntagsausflüge angesehen werden, sondern mehr Teil des alltäglichen Lebens werden. Und dies geht eben nur, wenn man auch mal zwischen zwei Geschäftsterminen mit dem Laptop eine Ausstellung besuchen kann – oder eben eine Lösung gefunden wird, dass die Wertgegenstände überwacht und mit Haftung eingeschlossen werden können. Wie wäre es mit Konferenzräumlichkeiten oder Open Office Spaces in Museen? Museen gelten als Räumlichkeiten der Kreativität wo Altes und Neues zusammenkommt, wo verschiedene Sektoren und Bereiche des Lebens aufeinandertreffen und wo Innovatives entstehen kann. Museen sind oft ideal gelegen, direkt im Stadtzentrum an zentralen Plätzen, wo verschiedene Gesellschaftsschichten und Generationen aufeinandertreffen. Kommunen und Städte müssen diese Chancen im heutigen digitalen Zeitalter mehr nutzen und aufgreifen. Es ist wahr – das digitale Zeitalter ist eine Herausforderung, doch eine, der man sich stellen muss und welche viele Chancen bietet, Altes aufzureißen und umzugestalten. Ich hoffe, dass Museen diese Herausforderung der heutigen digitalen Lebensweise so bald wie möglich verstärkt aufnehmen – denn davon kann unsere Gesellschaft nur profitieren!

Ann-Katrin Hardenberg, THE MAK’ED TEAM

 

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